05. Mai 2021 – Earth Overshoot Day in Deutschland

 

Heute ist für Deutschland der Earth Overshoot Day. Das heißt, dass Deutschland heute bereits alle nachwachsenden Ressourcen verbraucht hätte, was die Natur uns für das ganze Jahr 2021 zur Verfügung stellte. Warum wir das nicht so mitbekommen? Wir importieren aus anderen Ländern Waren und Güter, die uns glauben lassen, dass die Ressourcen unendlich sind. Wir leben sozusagen auf Pump. Weltweit liegt der Earth Overshoot Day noch vor uns, da nicht alle Länder so viel auf „Pump“ leben wie Deutschland es tut.

Damit zeigt sich jedoch ein Problem: Zum einen verbrauchen wir in Deutschland mehr als andere Länder, zum anderen kommen Länder mit geringerem Verbrauch weltweit nicht hin mit allem, was uns die Natur zur Verfügung stellt. Wir haben nur das Glück, dass viele der Dinge, die uns die Natur zur Verfügung stellt, wie beispielsweise. Wasser, aktuell noch in hohen Mengen vorhanden sind. Dadurch fällt es auf den ersten Blick nicht auf, dass die Natur diese Stoffe nicht schnell genug regenerieren kann. Nur punktuell bekommen wir es ganz konkret zu spüren. Vielen Menschen in den Brunnendörfern haben in den letzten Dürresommern ganz bewusst mitbekommen, dass ihr Trinkwasser sich nicht schnell genug neu sammeln konnte. In Ländern vor allem des globalen Südens gibt es zunehmend längere Dürreperioden und damit verbunden Wassernot. Knapp 3,6 Milliarden Menschen leben heute in Gebieten, die mindestens einen Monat pro Jahr extrem wasserarm sind.

Sowohl die Menschen in den deutschen Brunnendörfern als auch die Menschen in Ländern mit häufigeren Trockenzeiten wissen dann sofort, was dies bedeutet: Zeit, Energie und Aufwand um an Wasser zu kommen. Wenn man in Deutschland lebt bedeutet dies einen vergleichsweise leichten Gang zum Supermarkt und diverse Behördengänge sowie Geldausgaben, um einen Anschluss ans Trinkwassernetz zu bekommen. In Ländern des globalen Südens heißt es hingegen: Weite und harte Wege zu Quellen, oft für lange Zeit keine Zugänge zu Trinkwasser oder sogar das Verdursten.

Im letzten Fall eine massive Verletzung der Menschenwürde, in beiden Fällen eine unterschiedlich starke Verletzung der eigenen Freiheit. Besonders die Menschen in den zunehmend härter vom Klimawandel betroffenen Regionen der Erde spüren dies massiv – und viele sehen sich gezwungen, die eigene Heimat zu verlassen. Auch in Deutschland gibt es zunehmend Regionen, die von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. Die Menschen in den Regionen müssen sich zunehmend daran anpassen. Freiheit sieht anders aus.

Der Overshoot Day macht uns damit klar ersichtlich, was es heißt, wenn wir nicht nachhaltig wirtschaften, wirken und leben: Es schränkt die Freiheit anderer und auch auf Dauer unsere eigene Freiheit ein. Nachhaltigkeit ist also notwendig für Freiheit. Ohne sie nehmen wir uns jegliche Grundlage für ein freies Leben.

Wir brauchen eine andere Form des Wirtschaftens. Ein Wirtschaften, das Nachhaltigkeit als Teil unseres Wohlstandes und Wohlbefindens einen hohen Stellenwert beimisst. Ein Wirtschaften, dass zukünftige Generationen und Menschen außerhalb Deutschlands beachtet. Ein Wirtschaften, dass es jedem Einzelnen erleichtert, die Natur zu schützen und zu fördern. Ein Wirtschaften, das unsere Freiheit bewahrt.

Nino Haustein
(Direktkandidat zur Bundestagswahl)

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