Kita-Entwicklung im Landkreis

Steigende Kosten, fehlendes Personal, sinkende Geburtenzahlen – Wie können Kitas im Landkreis diesen Herausforderungen begegnen? Dieser Frage gingen die Teilnehmer*innen beim pädagogischen Frühstück auf Einladung des Vereins „Lebenshilfe Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“ am 18. März nach. Neben Vertreter*innen von Elternbeiräten, dem Landratsamt sowie Führungskräften aus Kitas nahm unser Sprecher Matthias Gottschalk als einziger der eingeladenen Politiker*innen teil.

Raum schafft Förderung

Als Gastredner geladen war der Motopädagoge Maik Kretzschmar. In seinem Impulsvortrag sprach er über den positiven Effekt, den kleine Gruppen auf Erzieher*innen und Kinder haben. Und das gleich auf mehreren Ebenen: Erzieher*innen können besser auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen und sind weniger Lärmbelastung ausgesetzt. Kinder können sich durch das Mehr an Raum freier bewegen und ihrem natürlichen Bewegungsdrang folgen. Alles zusammen führt zu einer besseren frühkindlichen Bildung, die sich auch im weiteren Verlauf des Bildungsweges auszahlt.

Maik Kretzschmar berichtete auch über „seine“ Kita in Priestewitz und dass diese, wie so viele andere in unserem Landkreis aus, ebenfalls einen Rückgang der Kinderzahlen zu verbuchen hat. Während in anderen Kitas Erzieher*innen entweder entlassen oder versetzt worden sind und häufig Standorte zusammengelegt worden sind, hat sich der Träger in diesem Fall bewusst dafür entschieden, den Standort und das Personal zu erhalten. Das Ergebnis: ErzieherInnen, Kinder und Eltern sind deutlich zufriedener, das Arbeitsklima hat sich verbessert und alle Kinder erreichen ihre Entwicklungsziele.

Chancen nutzen

Die derzeitige Situation bietet mehr Chancen als Risiken. Jetzt in (frühkindliche) Bildung zu investieren zahlt sich auf lange Sicht aus. Darüber waren sich alle Teilnehmer*innen einig.

Gleichzeitig sind die Herausforderungen zu komplex, um eine einfache, schnelle Lösung benennen zu können. Beispiel Betreuungsschlüssel: Eine Senkung des Schlüssels kommt der Entwicklung der Kinder zugute. Erzieher*innen können individueller auf die Bedarfe der Kinder eingehen und so den Bildungsauftrag zielgerichteter erfüllen. Im bundesweiten Vergleich müssen sächsische Erzieher*innen in der Krippe mehr Kinder betreuen (fünf) als zum Beispiel in Baden-Württemberg (drei). In der Realität sind sogar sieben Kinder auf eine/n Erzieher*in keine Ausnahme. Eine Absenkung des Schlüssels ist daher notwendig. Aber das Personal ist dafür nicht vorhanden bzw. ungleich verteilt. Vor allem im ländlichen Raum werden Fachkräfte gesucht. Dazu kommen die engen finanziellen Spielräume der Kommunen. Sind weniger Kinder zu versorgen, werden Kitas daher häufig geschlossen oder zusammengelegt, um Kosten zu sparen. Pädagogisch sinnvolle Konzepte können aufgrund enger Vorgaben nicht umgesetzt werden.

Positives Zukunftsbild entwickeln

Die Politik muss die Rahmenbedingungen setzen, um eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung zu ermöglichen. Mit unserem Beschluss „Gute Bildung von Anfang an – Kita-Gesetz reformieren“ haben wir aufgezeigt, wie das aussehen muss:

  • Zuwendungen des Landes an die Kommunen erhöhen
  • Betreuungsschlüssel als Zielvorgabe herabsetzen
  • Sondervermögen Kitas schaffen, um Infrastruktur zu erhalten bzw. zu schaffen

Das allein wird nicht reichen. Wir müssen anfangen, den Bildungsweg vom Ende her zu denken: Welchen Fähigkeiten sollen unsere Kinder am Ende ihrer schulischen Ausbildung haben? Von dieser Zielfrage ausgehend muss der Bildungsweg rückwärts gedacht werden: Was braucht es dafür in der Oberstufe? Was in der Grundschule? Was in der Kita? Was in der Krippe? Die Antworten darauf sind ebenfalls nicht trivial, aber das pädagogische Frühstück hat gezeigt, dass sich die Diskussion und das Erarbeiten entsprechender Lösungen für unsere Gesellschaft, auch hier in unserem Landkreis, lohnt.

Die nächsten Schritte

Wie geht es jetzt weiter? Parteipolitisch wird unser Beschluss spätestens bei der kommenden Landesdelegiertenversammlung im September ins Plenum eingebracht. Wird er auch dort verabschiedet, werden sich die Bündnisgrünen Politiker*innen auf Landes- und kommunaler Ebene für seine Umsetzung einsetzen.

Derzeit laufen bereits die Verhandlungen für den sächsischen Doppelhaushalt 2027/28, in dem auch die weitere Finanzierung der sächsischen Kitas wieder zur Debatte steht. Unsere Bündnisgrünen Landtagsabgeordneten setzen sich dafür ein, das im vergangenen Jahr verabschiedete Kita-Moratorium mindestens weiterzuführen, im besten Falle aber die Landeszuschüsse zu dynamisieren.

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