Hilfslieferung in die Ukraine

Der Krieg in der Ukraine läuft seit 12 Jahren. Mit der russischen Vollinvasion im Februar 2022 sind unvorstellbares Leid, Tod und Verwüstung über das Land hereingebrochen. Vereine und private Organisationen versuchen, mit Hilfslieferungen das Leid der Menschen zu lindern und die Verteidigungsbemühungen zu unterstützen. Unser Mitglied Matthias hat eine Hilfslieferung begleitet. Hier teilt er seine Erlebnisse.

Tonnenweise Hilfsmittel

Zwei Transporter mit insgesamt drei Tonnen Hilfsmitteln bis nach Kyjiw. Foto: Matthias Gottschalk

17 Touren, über 100.000 gefahrene Kilometer, knapp 55 Tonnen an Hilfsgütern – Ines und Martin Eckstein haben sehr viel getan für die Menschen in der Ukraine. Als Teil des Vereins Athletes for Ukraine sammeln sie Spenden und Hilfsgüter und transportieren sie persönlich in die Ukraine. Weil ich ihre Initiative unterstütze, bot ich mich als Fahrer an für den Fall, wenn sonst niemand verfügbar wäre. Über Ostern war es dann so weit und vier Personen in zwei Transportern machten sich auf den Weg nach Kyjiw. Im Gepäck: drei Tonnen Hilfsmittel. Darunter Kleidung, Essen, Medikamente, medizinische Geräte, Werkzeug und Stromgeneratoren.

Eindringliche Erfahrungen

In Kyjiw wird zerstörtes russisches Militärgerät gezeigt. Foto: Matthias Gottschalk

Vier Tage sollte die Fahrt dauern. Zwei Tage hin, zwei Tage zurück. Unterwegs Übernachtungen in Lwiw und Kyjiw, die letzte Übernachtung sollte vor Ort geklärt werden. Eine anstrengende Erfahrung. Und doch so bereichernd wie wenig in meinem bisherigen Leben.

Die Ukraine ist im Krieg. Auch wenn die Front im Süden und Osten des Landes liegt, so sind die Folgen des Krieges im gesamten Land zu spüren und zu sehen. Fast in jedem Dort auf unserer Fahrt waren auf den Friedhöfen Ukraine-Fahnen und Bilder gefallener Soldaten zu sehen. Bei Lwiw haben wir Sondengänger gesehen, die Felder nach Überresten von Drohnen und nicht umgesetzten Explosionsmitteln wie Minen oder Munition gesucht haben. An neuralgischen Punkten entlang der Straßen waren immer wieder befestigte Stellungen zu sehen. Kontrollpunkte und Militärkonvois gehören zum Alltag der Menschen.

„Wir wollen leben“

Ebenso die Angst vor Luftangriffen mit Drohnen und Raketen. Auch im Westen und Norden des Landes. Eine knappe Woche vor unserer Abfahrt wurde Lwiw von russischen Drohnen angegriffen, Kyjiw als Hauptstadt ist immer wieder Ziel russischer Luftangriffe. Trotzdem lassen sich die Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Art zu Leben nicht nehmen. Nach vier Jahren Vollinvasion gehört der Krieg für viele zum Alltag dazu. Sie gehen arbeiten, betreuen die Kinder, gehen aus – und wenn der Alarm kommt, suchen sie Schutz in Bunkern. Ein Satz ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Wir wollen leben!“ Die Menschen lassen sich von Putin nicht ihre Art zu leben nehmen.

Der Verein „вільні воїни“ („Freie Krieger“) betreut verwundete Veteranen und erhielt neben kleinen Aufmerksamkeiten auch benötigtes medizinisches Equipment. Foto: Matthias Gottschalk.

Während der Fahrt habe ich Menschen getroffen, die sich neben ihrer Arbeit zusätzlich als Freiwillige um verletzte Veteraninnen und Veteranen kümmern und ihnen die Rückkehr ins zivile Leben ermöglichen. Ich habe Menschen getroffen, die alles für sie mögliche tun, um den ukrainischen Soldatinnen und Soldaten zu geben, was sie für die Verteidigung des Landes benötigen. Und trotz allem haben sie ihre Lebensfreude und ihre Gastfreundschaft beibehalten. Obwohl wir uns nicht kannten, bin ich von ihnen wie ein alter Freund begrüßt worden.

Ukrainische Erinnerungskultur

Auch die verwundeten Veteranen des Krieges wollen weiter für ihr Land kämpfen. In Gesprächen mit ihnen ist deutlich geworden, dass sie weiterhin eine Rolle einnehmen und nicht durch ihre Verwundungen fremdbestimmt werden wollen. Der Verein „вільні воїни“ („Freie Krieger“) unterstützt Verwundete mit Sport sowie Physio- und Psychotherapie dabei, wieder ins Leben zurückzufinden.

Ort des Gedenkes der Gefallenen auf dem Kyjiwer Maidan. Foto: Matthias Gottschalk.

Das Gedenken an die gefallenen Soldatinnen und Soldaten sowie die Veteranen des Krieges findet an zentralen Orten statt. In Kyjiw ist dies der Maidan-Platz, der für die Ukraine nicht erst seit der Maidan-Revolution 2014 besondere Bedeutung besitzt. Dort sind die Bilder der gefallenen Soldatinnen und Soldaten zu sehen, umringt und durchzogen von einem Meer an Fahnen, der Ukraine oder der jeweiligen militärischen Einheiten. Dazwischen persönliche Briefe der Hinterbliebenen. Ein Ort der Einkehr, des Gedenkens. Und ein Ort, der demütig macht. Ob des Friedens, den wir in Europa und in Deutschland bisher genießen durften.

Ein weiter Weg

Trotz schwerer Verletzungen lassen sich die Menschen ihre Freude nicht nehmen. Foto: Matthias Gottschalk

Auch wenn die Meldungen über ukrainische Erfolge in den vergangenen Monaten mehr wurden: Bis der Krieg beendet ist, wird es noch dauern. Russland verfügt über genug Menschen, die es in diesem Krieg noch sinnlos opfern kann. Trotzdem gelingt es der Ukraine seit über vier Jahren, dem russischen Angriff standzuhalten. Auch dank der Hilfe von Menschen wie Ines und Martin Eckstein.

Die Ukraine verteidigt ihre Freiheit. Gegen einen russischen Aggressor, der ihre Art zu leben auslöschen will. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Ukraine siegreich aus diesem Krieg hervorgeht.

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