Zum gemeinsamen Antrag der Heidenauer AfD- und CDU-Fraktionen, neue Stolpersteine in Heidenau künftig zu verbieten, äußert sich Matthias Gottschalk, Sprecher des Kreisverbandes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, wie folgt:
„Stolpersteine sind ein wichtiger Teil unserer Erinnerungskultur. Sie erinnern nicht abstrakt an die Verbrechen des Nationalsozialismus, sondern an konkrete Menschen: an ihre Namen, ihre Familien, ihre Wohnungen und ihre individuellen Lebensgeschichten. Genau darin liegt die besondere Bedeutung der Stolpersteine. Sie machen Geschichte dort sichtbar, wo sie stattgefunden hat – mitten im Alltag und im öffentlichen Raum. Wer an einem Stolperstein vorbeikommt, begegnet nicht nur einer Jahreszahl oder einer anonymen Opferzahl, sondern dem Schicksal eines Menschen. Diese Form des Gedenkens schafft Aufmerksamkeit und macht deutlich: Die Opfer des Nationalsozialismus waren keine Nummern, sondern Menschen aus unserer Mitte.
Eine zentrale Gedenkfläche kann ein solches dezentrales Erinnern nicht ersetzen. Erinnerung darf nicht aus dem alltäglichen Stadtbild verschwinden. Gerade angesichts des wieder zunehmenden Antisemitismus und Rassismus ist es wichtig, die Erinnerung an die Verfolgten und Ermordeten sichtbar zu halten und aus ihrer Geschichte Verantwortung für die Gegenwart abzuleiten. Daher rufe ich die Stadträte in Heidenau dazu auf, den Antrag abzulehnen.
Besonders problematisch ist für mich, dass der Antrag gemeinsam von Stadträten der CDU und der AfD getragen wird. Der sächsische AfD-Landesverband ist vom Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft worden. Vor diesem Hintergrund erwarten wir von demokratischen Parteien eine klare Abgrenzung und keine gemeinsame politische Initiative mit der AfD. Die CDU-Stadträte müssen sich deshalb fragen lassen, welches politische Signal sie mit einer gemeinsamen Antragstellung aussenden. Eine Zusammenarbeit mit einer Partei, deren sächsischer Landesverband als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist, normalisiert diese Partei und verwischt die notwendige demokratische Abgrenzung.
Für uns ist klar: Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gehört in die Mitte unserer Städte und Gemeinden. Stolpersteine leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie halten die Namen und Lebensgeschichten der Verfolgten sichtbar und erinnern uns daran, wohin Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus führen können. Diese Erinnerung darf nicht zurückgedrängt werden.“
Pressekontakt:
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Schloßstraße 4, 01796 Pirna
E-Mail:
Website: gruene-soe.de
Zum Hintergrund: https://www.saechsische.de/lokales/saechsische-schweiz-osterzgebirge/heidenau/heidenau-keine-stolpersteine-mehr-antrag-von-stadtraeten-der-cdu-und-afd-sorgt-fuer-kritik-FJBOHCYY6ZBTVCGYIZ2NLY3WNI.html
Keine Neuigkeiten mehr verpassen? Hier kannst Du dich für unseren Newsletter anmelden!