Diskussion: Windvorranggebiete

Noch zum bis 6. Juli läuft das Beteiligungsverfahren für die vom regionalen Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge vorgestellte Teilfortschreibung Windenergienutzung. Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, Stellungnahmen zu den einzelnen Windvorranggebieten abzugeben. Unser Kreisverband hat sich in einer Informationsveranstaltung am 17. Juli 2026 intensiv mit den Plänen des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt standen die Ausweisung von Flächen für Windenergieanlagen (WEA) sowie die Positionierung des Kreisverbandes zu diesen Vorhaben. Die Diskussion war geprägt von Fachfragen, politischen Abwägungen und regionalen Besonderheiten, die eine differenzierte Betrachtung erfordern.

Impuls durch Landespolitik

Als Gäste und für Fragen standen den Teilnehmenden der Landtagsabgeordnete Thomas Löser sowie der parlamentarische Berater Konstantin Scheffler bereit. Beide brachten die landespolitische Sichtweise in die Diskussion mit ein und setzten einen wichtigen Impuls. Grundsätzlich wurde die Vorgabe der Landesregierung kritisiert, dass jeder der vier sächsischen Planungsverbände das gleiche Flächenziel vorgegeben bekam. Dadurch werden vor allem die Verbände, welche die zwei Großstädte Dresden und Leipzig beinhalten, vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Gleichzeitig müssen diese mehr Fläche in den Regionen ausweisen, was ein höheres Konfliktpotential mit sich bringt.

In den ländlichen Regionen wird stark gegen den Ausbau der Windenergie Stimmung gemacht. Auch die Teilfortschreibung wird abgelehnt, da mit ihr ein deutlicher Zubau an Windenergieanlagen verbunden wird. Das Gegenteil ist dabei der Fall: Erst mit der Festlegung von Windvorranggebieten wird der Ausbau gesteuert. Ohne Ausweisung der Gebiete könnten Windenergieanlagen überall gebaut werden. Die Teilnehmenden waren sich daher einig, dass es den Plan braucht.

Ungeeignete Gebiete

Ausschnitt der Karte über die Vorranggebiete Windenergienutzung des Planungsverbandes im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Quelle: Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge – Link

Trotz des grundsätzlichen Bekenntnisses zur Windenergie sahen die Teilnehmenden vor allem zwei Probleme bei den bisher vorgestellten Plänen. Zum einen liegt ein vorgestelltes Windvorranggebiet zwischen Lohmen und Wehlen direkt am Nationalpark Sächsische Schweiz. Dieses Gebiet ist nicht nur touristisch von hervorgehobener Bedeutung, sondern bietet auch eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt. Dazu kommt, dass aufgrund der Größe des Gebietes maximal zwei Windenergieanlagen errichtet werden könnten. Im Hinblick auf den besonderen Status des Nationalparks sollte von diesem Gebiet Abstand genommen werden.

Zum anderen werden die Städte Stolpen und Dippoldiswalde maximal belastet. Die Vorgabe, dass höchstens vier Prozent der kommunalen Fläche ausgewiesen werden, wird bei beiden ausgereizt. Damit werden beide Gemeinden stark belastet. Die Burg Stolpen zum Beispiel bietet eine relevante Sichtmarke in Sachsen und würde von Windvorranggebieten eingekreist werden. Hier muss der Planungsverband mit Augenmaß nachsteuern.

Unverständnis löst die Tatsache aus, dass ein Viertel der Planflächen im Landkreis bewaldet ist. Noch 2024 hatte das sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft ausgesagt, dass lediglich zehn Prozent der Waldflächen für Windenergie geeignet seien. Nun wurde davon dem Anschein nach Abstand genommen. Auch wenn der Bündnisgrüne Landesverband die Errichtung von Windenergieanlagen als generell möglich ansieht, sollte dies nur in Ausnahmefällen und bei sonst nicht vorhanden Flächen in Erwägung gezogen werden.

Stadt-Land-Konflikt

Die bestehenden Abstandsregelungen von Windenergieanlagen führen dazu, dass die Energiewende vor allem durch ländliche Regionen getragen wird. Städte bleiben beim Thema Windenergie in der Regel außen vor. Das führt und führte bereits zu Kritik von Einwohner*innen der Landkreise. Umso unverständlicher war es für die Teilnehmenden des Informationsabends, dass der Dresdner Stadtrat die Ausweisung von Windvorranggebieten in der Stadt grundsätzlich abgelehnt hat. Damit wird der Konflikt zwischen Stadt und Land nur vorangetrieben.

Fazit

Frühere Aussagen konterkarieren die vorgestellten Pläne, nachvollziehbare Konfliktfelder bestehen in besonders betroffenen Gemeinden und so manche Planvorgabe fördert die ungleiche Behandlung. Dennoch wird sich der Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge weiterhin für einen Ausbau der Erneuerbaren Energien einsetzen – mit Augenmaß.

Keine Neuigkeiten mehr verpassen? Hier kannst Du dich für unseren Newsletter anmelden!